STADT LEIPZIG

   Teil I  010/Teil II 24.01.11/Teil III 03.03.11

 

"Mein Leipzig lob ich mir"  TEIL I

 

Das zumindest schrieb vor langer Zeit ein berühmter Dichter über diese Stadt doch auch über andere Städte lies er sich schriftlich aus - nicht negativer was der Konnotation des Wortes keinen Abbruch tat!

Leipzig, eine alt ehrwürdige Stadt mit einem ganz eigenen Charme auf dem gesamten Bundesgebiet. Neben der erkorenen Hauptstadt Dresden sicherlich die geheime Hauptmetropole Sachsens aber hätte Dresden zu  damaligen Zeitpunkt nicht den Zuschlag zur Landeshauptstadt bekommen, wäre es bei weitem nicht in diesem Glanze heutiger Tage erstrahlt. Infrastrukturell hat sich Dresden recht schnell gemausert und verkehrstechnische Errungenschaften wie da zum Beispiel die neue Autobahn zur tschechischen Republik und diverse Neubrücken und Tunnelbauten zu nennen wären, tragen erheblich zum lukrativen neuem Kleid Dresdens bei.

Was auch immer in der Landeshauptstadt an der Elbe gebaut werden wird, der innerstädtische Kern wird nie den Charme Leipzigs erreichen obwohl man vorsichtig sein muss in Anbetracht der städtebaulichen Planungen mit fragwürdigem Hintergrund der Leipziger Bebauungsgilde.

Das man sich in Leipzig dazu entschied auf dem Augustplatz das Gesamtbild mit dem Neuguss der alten Kirche aus Beton zu vervollständigen mag noch legitim wenn auch nicht unumstritten sein. Das aus den Tagebaurestlöchern rund um Leipzig eine Seenlandschaft  entstehen wird und somit das Umland aufwertet, stellt wohl auch kein Leipziger in Frage doch warum die Stadt sich dazu entschloss einen Citytunnel zu bauen steht in den Sternen städtischer Innenpolitikkatakomben.

Das man vorerst von einem wenigen Hundertmillionenprojekt sprach (571,62 Millionen €) welches sich in jedem Fall für die Struktur der Bahn auszahlen würde sowie der Lukrativität des Standortes Leipzigs zugute käme spottet jetzt bereits, noch lange vor Fertigstellung des Tunnels jeder Beschreibung! Aus Millionen (zwischenzeitlicher Kostenanstieg auf 893 Millionen €) werden nun wie man schon von Anbeginn befürchtete eine Milliarde Euro für eine Wegstrecke unter Tage von weniger als 4 Kilometern!   

 

Bessere Anbindungen und kürzere Taktzeiten sowie die Neuerschließung im Zuge dieses Tunnelbaus von bis dahin umständlich erreichbaren Stadtteilen und auch des Umlandes stehen gegen diese unwahrscheinliche Summe wie ein Witz. Ein Witz über den es wahrlich schwer fällt zu lachen, stellt man sich den Wahn vor auf weniger als vier Kilometer Bahnstrecke 4 neue Haltepunkte zu schaffen...

Nach weniger als 800 Metern hält quasi der lukrative Zug auf der wohl weltweit kürzesten und lächerlichsten U-Bahnstrecke bereits wieder an. Addiert man zur Fahrtzeit die Haltezeiten (UM/AUS UND EINSTEIGEN) wäre ein Spaziergang vom Bayrischen Bahnhof (der schon allein durch wildes Umherrücken Unmengen an Geld verschlang) durch die Innenstadt zum Bahnhof sicher nicht der Tod vieler Menschen gewesen.  Wie lächerlich und idiotisch dieser Bau auch immer sein mag, rückgängig zu machen ist es nicht mehr und so werden wir als Leipziger wohl in die Pflicht genommen werden müssen, mindestens zweimal täglich die Leipziger Hochgeschwindigkeitsuntergrundbahn zu nutzen.

 

Abgerissen hatte man weniger zuvor das Leipziger "blaue Wunder", welches tatsächlich seinen Zweck erfüllte und zum innerstädtischen Bild gehörte wie der Bahnhof, Uni – Riese, Völkerschlachtdenkmal und das zerfallende Gemäuer manch historischer Bauten um nur einige zu nennen.

Eine Fußgängerbrücke über den tobenden Verkehr einer wirtschaftlich noch intakten Stadt weggeplant um diese mit Ampeln zu ersetzen! Zweifelsfrei eine Errungenschaft die den Abriss aus finanziellen erhaltungstechnischen Wartungskosten völlig legitimiert!

Warten wir ab, sicher wird eines Tages an dieser Stelle wieder eine Brücke oder gar eine Unterführung entstehen!? Ein Tunnel?

 

Zweifelsfrei sind entstandene Erholungsgebiete rund um Leipzig eine absolute Errungenschaft für die Region, die Stadt selbst und dessen Bürger der in und um  sie wohnt. Zur Expo 2000 fertig gestellt glänzte der Cospudener See im Süden noch lange nicht so wie an heutigem Tage doch so manchen Romanzier steckt der Kommerz auch an diesen künstlich geschaffenen Idyll bereits tief im Hals. Hafenromantik und immer mehr zugebaute Flächen lassen die Groteske der innenländischen Kunstseeherrlichkeit bereits im kapitalen Nutzungswahn brachial erkennen und ersticken wiederum jeden anfänglich empfunden Stolz auf eine neu entstandene Sehenswürdigkeit. Das man vor Ort in der "Yachthafengastronomie" nur mittelmäßig aufpolierte Kaschemmenromantik  zu unabgebrachten Preisen erfährt unterstreicht den äußerst fragwürdigen Fahrplan der Politik einer immer mehr aussterbenden Kommune. 

 

Tatsächlich ist von der Boomtownmetropole Leipzig kaum noch etwas übrig obwohl überall heftigst an den wirtschaftlichen Aufschwung geglaubt wird. Eigenständig richtet sich der Zoo zum derzeitigen Bau einer enormen Tropenhalle und scheint dem irrsinnigen Sprint in die falsche Richtung waghalsig entgegenzustehen. Ob neues Bongoland oder Aquarium, der ZOO Leipzig war und ist wieder ein wirtschaftlicher Faktor in dieser Stadt und auch einen Besuch wert...

Leipzig, die Stadt der Kunst und des Handels! Hier wurde bereits mehrfach Geschichte geschrieben doch irgendwie spürt man diese Kraft nicht mehr die noch vor gar nicht langer Zeit einen immensen Umsturz hervorrief.

Wir sind das Volk schallte es über den Innenstadtring und tausende Menschen liefen voller Erwartungen, Ängste sowie wachsenden Mut der in der Masse sich immer wieder neu gebar gegen den brüchigen Staudamm jahrzehntelanger Entbehrungen an, in der Hoffnung auf ein offenes, buntes im Wohlstand ertrinkendes Deutschland. Tausende Menschen verbanden sich und ließen ihre Demut gegenüber einer sozialistischen Staatsmacht in den Parolen zurück und glaubten mit jeder Vibration ihrer Stimmbänder mehr an bessere Zeiten.

 

Die Wende brach über Leipzig herein wie über jede ostdeutsche Stadt und was am Anfang noch durch die blinde Euphorie übersehen wurde zeigte sich im Schicksal einzelner Menschen nur wenige Jahre danach bereits als Trugschluss. Was der Eine versprach wurde dem Anderen zum Verhängnis und so brachen jahrelang gewachsene durchaus überlebensfähige Strukturen am Drang nach schnellem Wohlstand. " Niemanden wird es schlechter gehen" vernahmen einige tausend Menschen live vom ehrwürdigen Kanzler damaliger Zeit und man erinnert sich sehr gut dass es nicht lange dauerte bis die ersten Eier und Tomaten genau diesen Menschen trafen.  

Die Modernisierung Leipzigs erschuf sich über den erst zögerlichen und dann schier zu explodierenden Restaurierungsboom alter Substanzen in jedem erdenklichen Bereich! Untergrund spielte sich schallenden Lachens die hunderttausenden von Gewinn DMarks am Fiskus vorbei in die eigenen Taschen und manch Stadtvater kassierte gehörig mit. Ein Schlaraffenland für Betrüger großen Stils und dennoch schoben sie diese Stadt in den Brennpunkt des finanztechnischen und wirtschaftlichen Kreises. Mit der Ausdünnung korupter Beamter starb komischer Weise auch mehr und mehr der Drive dieser Stadt. Größen des Milieus stellten sich die nicht unberechtigt wirtschaftlichen Standortfragen zur Umorientierung da Leipzig nicht erkannte welch potentielle Bringer hier weilten. Es nahm seinen Lauf und nun im Jahre 2010 sind wir Zeuge einer ohnmächtigen Eigentaschenpolitik die sich auf den Lorbeeren längst vergangener Zeiten meint ausruhen zu können. Am Leipziger Stadtsinn vorbei  produziert Politik eine immer mehr dem ursprünglichen Spiegelbild entgleisende Stadt, die bald nichts mehr von ihrer einstigen Einzigartigkeit und Charme in die Zukunft zu retten weis. Wieder einmal öffnet sich das Tor zum schnellen Wandel und verschluckt im Mantel der Globalisierung einen der letzten Ursprünge und zeitgeschichtlichen Zeugen mit fragwürdigem Zugewinn Moderne. Einhalt und die Orientierung an der städtischen Geschichte Leipzigs müsste selbst in dieser schnelllebigen Zeit, die einen enormen Zuwachs an Intelligenz zu verzeichnen hat – den Schritt zurück und somit zur Bestandswahrung wagen um nicht im Sog der globalen Uniformierung ebenso hinten hinab zufallen wie weit  uninteressantere Kleinstadtidyllen.

 

Fortsetzung folgt!

Oliver Sachse

SPRUCHREIF-ost

„Mein Leipzig lob ich mir“ Teil II

24.01.2011

 

 

Entsandt harrt ein Yankee dienstbeflissen, tief im Indianergebiet auf einem sich in einer großen Senke befindenden, einsamen Posten. Ein verlassenes Fort inmitten der Prärie sollte nun fast unbewohnbar zerstört, dahin abkommandiert seine neue militärische Basis – seine Heimat sein. Im Auftrag für sein Land, mit dem nötigen Patriotismus ausstaffiert richtete er sich so gut es ging ein. Er räumte auf, säuberte das Quartier, katalogisierte den Bestand und hisste die Fahne für jeden Möglichen Besucher sichtbar. Nicht weit seines spärlichen Domizils, abgelegen vom knochigen Pferdegatter hinter hohem Gras versteckte sich der kleine Süßwassersee. Gespeist von prähistorischen Grundwassern und den seltenen Regenfällen diente er als Überlebensgrundlage und Badewanne zugleich. Tierkadaver die einen Verbleib unmöglich machen sollten und vorsätzlich hineingeworfen wurden, entfernte er und verbrannte sie mit weithin sichtbaren Qualmwolken. Der Unterton dieser bedrohlichen MMS von fauligen Tierleibern im Trinkwasser funktionierte sehr gut, so das dem Soldaten beim Anblick des Ergebnisses seiner Verbrennungsaktion in dicken Qualmschwaden die weit reichenden Konsequenzen dieser SMS  durchaus bewusst waren.

 

Er verrichtete seinen eintönigen Dienst tag für tag und weitete seine Patrouillenritte immer mehr aus. Immer tiefer drang er in die Weiten dieser noch unberührten Prärie, verschmolz mit diesem urwüchsigen Land und gebar aus seiner Einsamkeit im Einklang mit dieser Natur Sehnsüchte die sein Leben auf immer massiv verändern sollten. Über den Enthusiasmus, den Gehorsam gegenüber seinem Land hinaus als Soldat in Mission der Vorhut auf seinen Außenposten, scheint das Schlagen einer  Brücke vom Neuzeitwestern „der mit dem Wolf tanzt“ schwer in die Realität einer ehrwürdigen Messestadt realisierbar zu sein. Tatsächlich liegen viele Vergleiche offen...

 

Ein Land, eine Stadt lebt wie im plastischen Beispiel eines Kevin Costner als Soldat in einer seiner Glanzrollen in längst vergangener Zeit, von seinen Enthusiasten. Standhaft zu bleiben und ein rettbares, sinkendes Schiff eben nicht zu verlassen und es stattdessen zu retten um den Widrigkeiten eines unberechenbaren Meeres zu trotzen klingt wie ein fantastischer Traum. Tatsächlich wäre nur die Entscheidung dazu eben nicht zu fliehen die Verwirklichung noch so fabelhaft mutender Inhalte. Wieder einmal würde sich im Schritt zurück ein enormer Schritt voraus beweisen!

 

Eine Stadt liegt im Sterben, da sich ihr Bild immer mehr verändert. Mit dem Abreißen alter Gebäude und der uniformen Planung neuer Strukturen mit dem Hintergrund eines modernen, finanziellen Profitgerüstes, - wandert die Seele der Stadt in andere Metropolen ab. Der Stolz auf den Charakter einer durch Sozialismus geprägten Infrastruktur tauscht sich mit dem Zerrbild einer funkelnden Sehnsuchtsoase die mit den schreienden Hälsen zur Wende noch den Inhalt einer überdimensionalen Zitze hatte. Aus der ausreichend Milch gebenden Zitze ist der faltig gewordene Hautschlauch eines ausgelaugten Staatseuters geworden. Auch wenn weiterhin die Verbliebenen am schmerzenden Milchdrüsenwrack zutschen, die Milchproduktion wird an den Mäulern vorbei längst in anderen Maßstäben in die eigenen Pansen Weniger von Politik und Wirtschaft gepumpt.

 

Weithin sichtbar sind die Wahrzeichen einer geschichtsträchtigen Stadt zu sehen. Die gebogene Spitze des Uni Riesen und das Völkerschlachtdenkmal. Letzteres mahnt mit seinen überdimensionalen Kriegern, weitestgehend restauriert der weit bekannten Völkerschlacht. Gut mit intelligenten Lichtflutern in Szene gesetzt wirkt das Denkmal zu nächtlichen Stunden dennoch wie ein gigantischer LEGO   Bausatz, der ohne Zweifel die Blicke auf sich zieht. Die Millionen Touristenschwärme lassen sich dennoch an überschaubaren Busgruppen abzählen und somit bleibt der anvisierte Gewinnregen für die Stadtkassen aus. Keine Belagerungen wie in irgendwelchen Tempeln der Städte von jenen Besuchern unserer Messestadt, die man immer mit dem Fotoapparat bewaffnet assoziiert.

 

Tempelhafte Besuche verzeichnet die glitzernde Einkaufsmeile des größten Sackbahnhofes in Europa und allein dieses Faktum wirkt bedrohlich. Das an den neu entstandenen Erholungsgebieten sich die Massen an Volk einfinden um gemeinsam ins glasklare Tagebaurestlochwasser zu urinieren, sich am Strand ihrer Freizeit zu geben ist in jedem Falle ein Gewinn. Leipzig und sein Umland frönen den wärmenden Sonnenstrahlen im Geruchscocktail aus Bock und Bratwurst, Bier, Sonnencreme und Zigarettenqualm. Begleitet von sich in der satten Luft vereinenden Basslastpopbeats und vor Freude und Leid schreienden Kleinstkindern mischt sich in Wassernähe der Gehalt der Atemluft mit verloren gegangenen, nun beinahe kochenden Körperflüssigkeiten. Um den Lärm noch eins drauf zusetzen schlägt Luigi die Salmonellenglocke seines ausnahmegenehmigten Eiswagens. Zumindest scheint nun für kurze Zeit Ruhe im "Mulm des Hasch mich Badespaß Kniewassers".

 

Es gehört oft  nicht viel dazu, um wahrlich glücklich zu sein. Man hat in dieser Stadt viele kleine Oasen die durchaus in der Lage sind, einem für einen kurzen Moment aus dem Wahnsinn der Monotonie zu reißen. Rund um die Ballungsgebiete eines geeinten Sommerglückes bieten dicht an dicht windige Geschäftsbräter ihre Frikadellen und einmal mehr ihre Bratwürste an um dem Freizeitrausch die gewohnte Atmosphäre zu gewährleisten. Was wäre ein Freizeitspaß ohne Imbissbude?

 

Das Bild eines Naherholungsgebietes mit flächendeckender „Beimbissung“ und Bebauung ist auf jeden Bereich der Zivilisation projizierbar. Wir schaffen eine neue Idylle im Preis der Aufgabe von drei bis dahin Bestehenden und bewirtschaften diese Neue, natürliche Errungenschaft so intensiv das dem Tenor der Entstehung lediglich die Magenverstimmung bleibt. Die Seen gehören zum Messestädtchen wie die weltweit bekannt und geachteten „Doppel M’s“. Dennoch liegen sie außerhalb der städtischen Grenzen. Der Wirtschaftsfaktor Seenlandschaft, der seinen Anfang zur EXPO 2000 nahm dient der bevölkerungsverlustgeplagten Messestadt lediglich als Territorialwerbung und  man hofft in städtischen Rathaussesseln auf mannigfaltige Gewinnwogen vom gut bewindeten Seenzauber. Eine kleine Gemeinde, jahrelang durch Grubenlärm und Staubwolken geplagt setzte sich der Großstadtmacht zur Wehr und verteidigte ihre Unabhängigkeit vom großen Bruder. Markkleeberg sahnte nun die Fördermittel ab und hält jetzt die Säcke auf, um jede nur mögliche Münze aus dem Geschäft mit der Erholung zu retten.

 

Die Finanzierung des Großprojektes Seenlandschaft lässt im gigantischen Ausmaß der Rekultivierung eine Vorstellung der darauf folgenden Finanztaifune ahnen. Langfristig werden nun die sich erschöpfenden Kohlequellen zu einem flächendeckenden Wasseridyll und nur der sich damit eingehend beschäftigende Geologe wird sich dem Ausmaß dieser Wassermassen auf den Grundwasserspiegel und den daraus resultierenden Folgen für die Sedimente im Klaren sein. Atlantis Mitteldeutschland als Prognose denkbar?  

 

Klein kariert kann man feststellen das Leipzig der Verlust an Markkleeberg sicherlich schmerzte doch andere Dörfer waren nicht so wehrhaft und verhalfen der unter einer Bürde durch Zugzwang zur Moderne leidenden Stadt zum Erhalt des Titels dies im großen Stile zu sein. Die Flucht seiner Einwohner mag der Großstadttitel kurzfristig kaschieren  können doch auf Dauer ist der Verlust an Leipzigern nicht zu verheimlichen.

 

Wo sind nun die Enthusiasten dieser Stadt, die so dringend für den Erhalt des Status gebraucht werden und die für den Erhalt einer so beachtlichen Geschichte im dazu passenden Gesicht kämpfen!? Beobachtet man den Fluss der Menschen, die nach Leipzig hinein und heraus strömen, bemerkt man unweigerlich ein wachsendes Defizit. Junge, dynamische Menschen mit Potential wandern ab, um dem mangelnden Interesse an den menschlichen Ressourcen der städtischen Großmaulpolitik zu entfliehen. In Hamburg, Berlin, München und Frankfurt versucht nun ein damit meist nicht glücklicher Mensch, mit der ihn entgegengebrachten, anspornenden Ernsthaftigkeit gegenüber seiner Fähigkeiten den Verlust seiner Heimat im Geldfluss zu ertränken. Immer seltener entschließen sich gewachsene Persönlichkeiten mit finanziellen und wirtschaftlichen Fundament in ihre Heimat zurückzukehren. Der damit erzielte Verlust für diese sich immer mehr, in eine volksfremde sowie in ein stadtsoziales Negativ verändernde Stadt wiegt um einiges mehr, als der Gewinn mit der sich immer lukrativer gestaltenden Infrastruktur für Investoren und Nutzer von Außen.  

 

Selbst in der nah gelegenen Landeshauptstadt Dresden verwirklichen immer mehr Leipziger ihre Träume. Bayern, NRW und das Ausland in nah und fern profitieren von einer ignoranten Kaste an Politikern und von infrastrukturellen Planungsprimaten die mit ihren Zufallsentscheidungen schon kurzfristig Chaos verbreiten. Langfristig baut man in Leipzig an einem Konstrukt, dessen Gerüst aus Faktoren besteht die sich an bereits bestehenden, lange gewachsenen Erfolgskonzepten orientieren die weder an anderen Standorten reproduzierbar noch in dieser Stadt ansatzweise kopierbar sind. Der Wirtschaftsfaktor und der globale Drang nach wachsender Moderne hat eben auch hier, in dieser beschaulichen Großstadt mit Projektanten und Schmarotzern Einzug gehalten. Inmitten ihres Eifers und dem unbändigen Drang diese Stadt verändern zu müssen, töten sie den bestehenden Reiz zusehends und untergraben das Fundament einer sächsischen Perle anstatt es zu untermauern!

 

Originale eine Stadt werden oftmals belächelt. Meist nimmt man sie gar nicht als solche wahr doch gerade sie sind es, die unter all dem Wahn der Moderne das Gesicht einer Stadt bewahren. Es sind ein paar wenige Gefeierte mit weit reichender Bekanntheit, viele Menschen sind ohne nennenswerte Errungenschaften für sich der Stadt unbezahlbare Charaktere, da sie das Bild einer intakten Infrastruktur vermögen widerzuspiegeln. Menschen die in ihrer monotonen Lebensart stetig an der Nachhaltigkeit ihrer Individualität zuzulegen vermögen. Menschen die weit mehr Charakter und Eigenheit besitzen als Jene, die aus dem Grund niederer Beweggründe ihre Wurzeln kappen um in der Fremde ihr Potential zu verwirklichen.

 

Globalisierung ist in Leipzig angekommen aber sie reist auch permanent von einem sauberen, volkswirtschaftlich umsatzträchtigen Bahnhof wieder ab ohne länger verbleiben zu wollen. Die Stadt der Künste, der Musik und der Malerei versinkt im Sumpf des Konsums. Kein Wunder das die Lobby an künstlerisch Schaffenden in der Mehrzahl den marktwirtschaftlichen Werbekampagnen für Parfum oder Butterkeksen von Leibnitz ähnelt. Durch Leipzig schoben sich unter den lauten Rufen der Flößer Baumstämme durch die Wasserkanäle und in einem Zauber an Vielfältigkeit konnte in vielen kleinen Läden auch viele kleine und große Dinge gekauft werden. Im Rausch der Zeit, mit dem Schulterschluss des kapitalistischen Westverwandten krachte man einen Großmarkt nach dem Anderen ins städtische Bild und jagte die Individualität des Kleinhandels aus der Stadt. Nun zahlt der Staat für die Legitimierung von mehr Profit  für Wenige, an die dadurch arbeitslos gewordenen vielen Menschen, Fachkräfte und Kleinunternehmer  immer weniger Geld aus den Lohntüten derer, die den Kampf gegen eine raffsüchtige Stadt und einen korrupten Staat noch nicht verloren haben.

 

Mauerer fahren für nen Abbel und'n Ei in weit entfernte Großstädte, um den Zeitarbeitsfirmen und ihren Kunden Wohlstand zu gewährleisten. Im selben Moment kurbeln sämtliche Gewerke der Altbundesländer, mit Jungdeutschen in den nun von Fachkräftemangel geplagten Osten um da das dreifache von dem zu verdienen, was der geschulte und durchaus qualifizierte Ossi bei ihnen zu hause verdient. Der Leipziger auf Montage spart sich das Geld auf dem Hotelzimmer mit billig Bier und Konservenkost, um zu Hause in Sachsen seiner arbeitlosen High Heels Freundin das Fahren im Statusmobil und das Wohnen in einer feudalen Maisonette in der Südvorstadt zu ermöglichen. Währendessen vom 12 Stundentag müde sich der Ossi einschlafend in besten Händen seiner gut aussehenden Freundin wiegt, lässt diese sich gerade bei Kaviar und Sektchen vom Kölner Prolettrockenbauer hirnlos durchrammeln.

 

Die Realitäten eines Wandels durch die Wende haben viele Deutsche auf beiden Seiten noch lange nicht verdaut und noch des Öfteren werden sie das bereitwillig Geschluckte auskotzen um es widerwillig doch wieder fressen zu müssen. Die Zeiten stehen nicht gut für eine Stadt die der Moderne bereits futuristisch anmutender Städte hinterher eifert. Dem Rang einer Stadt mit architektonischer, unverwechselbarer Altbausubstanz kann Leipzig bald nicht mehr gerecht werden. Die Uniformierung des Denkens im Glauben der Globalisierung mit Anpassung gerecht werden zu können, reißt eine ganze Stadt und ein ganzes ehemals existierendes, geteiltes Volk ins Gesichtslose. Eine Traurigkeit und ein Verlust, den die Bürger der Stadt inmitten des Verfalles durch ihre Feigheit und in der Ferne durch die Flucht vor sich selbst erfahren müssen. Dass Stadtfremde die Zepter in der Hand haben spielt im Ganzen keinen unerheblichen Grund. Die Projizierung einer städtebaulichen Struktur brachten viele politisch gewählte Stadtväter aus ihren alten, verbauten und oft charakterlosen Städten der alten Bundesländer mit. Was in seiner Eigenheit Jahrzehnte lang auch durch widrige Umstände und staatsfinanztechnische Defizite damit einhergehend in Symbiose als unvergleichliches Charakterbild entstand, wird nun umgekrempelt und durch Abriss mit darauf folgender Einheitsarchitektur versehen! Über 40 Jahre erschuf sich eine Stadt, ein ganzer Staat durch eine Mangelwirtschaft heraus dennoch seinen ganz eigenen Charakter der sich restauriert durchaus mit den Städten der alten Bundesländer messen kann. Restaurieren und erhalten hat die Zeit mit gelebtem Hintergrund ebenso verdient, wie Jene die Neues in der Zukunft hervorbringen wird.    

 

Wo hat der Leipziger, der ehemalige Ostdeutsche an den Veränderungen der Städte in den alten Bundesländern einen Anteil gehabt? Ein auffallender Aspekt in einer durchaus legitimen Frage, die den Wahnwitz eines Tobsuchtsanfalles der äußerst effektiv Bestand zerstört begreifbar macht und zum Denken wie Handeln animieren sollte!

 

 

Forstetzung folgt!

Oliver Sachse

SPRUCHREIF-ost

"Mein Leipzig lob ich mir" Teil III

03.10.2011

 

Und sie?


Darf ich du sagen oder stört sie das?

 

Etikette auf die man achten sollte oder? Nun ja, es ist derwegen schon lang her als ich in der Pfeffermühle zu Leipzig nicht wie gewohnt in der letzten Ecke meinen Schreibblock füllen konnte. Schon besetzt musste ich vorlieb mit einem Tisch nehmen, der unmittelbar am Tresen stand. Da saß ich nun verbannt an diesem Tisch inmitten des bereits fast lückenlos bekannten, allabendlichen Publikums und blickte direkt auf die vor mir am Tresen sitzenden Männekieken. Mir fiel auf, das wenn ich meinen Kopf nicht erhob und lediglich mit den Augen vom sich quälend füllenden Blatt nach oben blinzelte, nur die Hinterteile derer sah, - die da saßen. Letztendlich alles nur Ärsche, dachte ich mir so und mußte grinsen. Naja in die Pfeffermühle verlor sich kein Unbekannter Mensch muß man wissen, da saß schon einiges an Leipziger Originalen und vor allem Geschichte im Raum. Feiner Zwirn und kaum gesächselt wurde da... Auf hohem Niveau bis zum abwinken gesoffen trotz alle dem und manch Fopas schrie förmlich nach Presse. Alles also gut betuchte Persönlichkeiten und so auf die Hinterteile starrend am Bier nippend, zog ich kauernd damals noch rauchend an meinem "el capone" Zigarillo und ärgerte mich über den Gedanken das unter dem Strich da hinten heraus auch nur übel riechendes Restwerk des Verdauungstraktes kam. Das relativierte sofort die bis dahin gezollte Ehrfurcht vor den da Sitzenden und was blieb war der Respekt vor dem Gleichnis aller in diesem Raum. Ob Operintendant oder der über alle Grenzen hinaus bekannte Ostrocker, der Bankie oder Bürgermeister samt Gefolge - alle mischten sich bunt und so zusammen gewürfelt blieb mir nach dem spontanen Blickkick dennoch das Ergebnis der Assoziation haften. Alles nur Ärsche mit Grundbedürfnissen die sich vom anderen lediglich in der Intensität und Häufigkeit unterscheiden...

 

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Sie drängen hinein in die Stadt, Investoren und Geschäftsmänner - die sich vom Standort der alten Messestadt einiges erhoffen. Quer Beet wirkt Leipzig im Rückblick auf die vergangenen Jahre bis heute, wie ein Magnet auf oft finanzorientierte Neuzeitjunkies, - die zwischen den Fugen der immer rascher abgerissenen alten Häuser noch das feudale schnuppern, von dem sie gern eine Scheibe abgeschnitten hätten bevor es andere vor ihnen tun. Ja mit Macht drängt sich ein facettenreiches Völkchen in die meist recht holprigen Straßenzüge und lehnt sich erhaben zurück, legt gebreitet die Arme auf die Schultern der Altlasten und schraubt sich im versierten Wortgebrauch blendend in die revolutionären Geister die längst müde geworden nur noch ihren eigenen Arsch retten wollen. Damals zur gesellschaftlichen Einheitsrevolte war das sicher auch so, aber in der Masse kämpfte man hinter vor gehaltener Hand gerne in schauspielerischer Glanzleistung als das zusammenstehende Volk. Die Altlasten sind die Ureinwohner einer Stadt, die mehr und mehr schon rein architektonisch ihr Gesicht verliert. Was wurde nicht alles schon platt gemacht um glatt gelecktes Neues in voller Pracht entstehen zu lassen. Keiner denkt noch an die Milchtöpfe des Augustusplatzes die recht heftige Meinungskapriolen hervorriefen. Ganz zu schweigen vom Marktplatz im Zentrum der Stadt, wo hochmodern das neue Leipzig auf die alten Gemäuer zu spucken scheint. Der Besucher rammelt ungeachtet des geschichtlichen Immobilienverfalls durch die Gassen und Passagen, mampft da ne Wurscht und schleckt da ein Eis - ohne sich auch nur im Ansatz darüber den Kopf zu zerbrechen. Wie auch...

Wieder zu hause wird er nur Gutes über die altehrwürdige Dame berichten wo damals mit der friedlichen Revolution Geschichte geschrieben wurde.

 

Um so mehr sollte sich ein Altleipziger Volk gegen die Vergewaltigung ihrer Stadt auflehnen und massiv protestieren. Es geht um weit mehr als die Veränderung der städtischen Bausubstanz. Um weit mehr als nur den absolut idiotischen Tunnel der diesem Land und jeden Bürger einiges kostet. Man könnte meinen schlimmer gehts nimmer doch was viel tiefer ansetzt ist die mentale Ausdünnung eines Leipziger Charakters. In Zeiten der Globalisierung und interaktiven Vernetzung sollte die Individualität erhalten bleiben und nicht durch Domestizierung von Eigenheiten alles zum globalen Einheitsbrei werden. Der Blick über Satellit nach New York oder Shanghai muss nicht zwangsläufig bedeuten auch einhergehend das Gesehene hier umzusetzen. Was das vereinheitlichen bringt sehen wir plastisch an der Automobilindustrie. Es gab Zeiten da hat man als Lausbub in nächtlicher Langeweile mit Freunden die Autos an den Lampen erkannt und daraus ein Spiel gemacht. Das fiele heute recht schwer...

 

Windige Geister schwemmen nun schon seit Jahren in diese Stadt und haben wie ihre Verwandten die Parasiten, diese Stadt infiziert und kaum noch heilbar mit der Krankheit des gesamtdeutschen Profitwahns angesteckt. Da keucht eine Stadt unter der ihr aufgebürdeten Last wie ein alter Dampfer der seiner Bestimmung entsprechend bis zum Tod gemächlich Fluss auf und ab schippern sollte. Hinaus auf das große Meer soll er nun der Dampfer und sich den gigantischen Wogen der von Urgewalten aufgetürmten Wassermassen stellen. Der Preis ist heiß werte Damen und Herren und wie im Lotto spiegelt sich das reale Geschehen in jedem Bereich wieder. Wer viel wagt kann durchaus in der Gunst des Zufalls beschenkt ohne Sorgen seinem Tod entgegen sehen, oder eben auch im Siechtum vom Verlust des Zockens an seiner langsam verstreichenden Zeit die Scheiße vorhalten in die er selbst Kopfüber sprang...

 

Verloren ist etwas immer erst dann, wenn es verloren ist. Bis dahin muß noch einiges geschehen aber die Zeit um darüber nachzudenken was getan werden kann ist längst vorüber. Wie war das mit den Dominosteinen?

 

 

Fortsetzung folgt

Oliver Sachse

SPRUCHREIF-ost

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