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STADT LEIPZIG

 

"Mein Leipzig lob ich mir"  TEIL I

 

Das zumindest schrieb vor langer Zeit ein berühmter Dichter über diese Stadt doch auch über andere Städte lies er sich schriftlich aus - nicht negativer was der Konnotation des Wortes keinen Abbruch tat!

Leipzig, eine alt ehrwürdige Stadt mit einem ganz eigenen Charme auf dem gesamten Bundesgebiet. Neben der erkorenen Hauptstadt Dresden sicherlich die geheime Hauptmetropole Sachsens aber hätte Dresden zu  damaligen Zeitpunkt nicht den Zuschlag zur Landeshauptstadt bekommen, wäre es bei weitem nicht in diesem Glanze heutiger Tage erstrahlt. Infrastrukturell hat sich Dresden recht schnell gemausert und verkehrstechnische Errungenschaften wie da zum Beispiel die neue Autobahn zur tschechischen Republik und diverse Neubrücken und Tunnelbauten zu nennen wären, tragen erheblich zum lukrativen neuem Kleid Dresdens bei.

Was auch immer in der Landeshauptstadt an der Elbe gebaut werden wird, der innerstädtische Kern wird nie den Charme Leipzigs erreichen obwohl man vorsichtig sein muss in Anbetracht der städtebaulichen Planungen mit fragwürdigem Hintergrund.

Das man sich in Leipzig dazu entschied auf dem Augustplatz das Gesamtbild mit dem Neuguss der alten Kirche aus Beton zu vervollständigen mag noch legitim wenn auch nicht unumstritten sein. Das aus den Tagebaurestlöchern rund um Leipzig eine Seenlandschaft  entstehen wird und somit das Umland aufwertet, stellt wohl auch kein Leipziger in Frage doch warum die Stadt sich dazu entschloss einen Citytunnel zu bauen steht in den Sternen städtischer Innenpolitikkatakomben.

Das man vorerst von einem wenigen Hundertmillionenprojekt sprach (571,62 Millionen €) welches sich in jedem Fall für die Struktur der Bahn auszahlen würde sowie der Lukrativität des Standortes Leipzigs zugute käme spottet jetzt bereits, noch lange vor Fertigstellung des Tunnels jeder Beschreibung! Aus Millionen (zwischenzeitlicher Kostenanstieg auf 893 Millionen €) werden nun wie man schon von Anbeginn befürchtete eine Milliarde Euro für eine Wegstrecke unter Tage von weniger als 4 Kilometern!   

 

Bessere Anbindungen und kürzere Taktzeiten sowie die Neuerschließung im Zuge dieses Tunnelbaus von bis dahin umständlich erreichbaren Stadtteilen und auch des Umlandes stehen gegen diese unwahrscheinliche Summe wie ein Witz. Ein Witz über den es wahrlich schwer fällt zu lachen, stellt man sich den Wahn vor auf weniger als vier Kilometer Bahnstrecke 4 neue Haltepunkte zu schaffen...

Nach weniger als 800 Metern hält quasi der lukrative Zug auf der wohl weltweit kürzesten und lächerlichsten U-Bahnstrecke bereits wieder an. Addiert man zur Fahrtzeit die Haltezeiten (UM/AUS UND EINSTEIGEN) wäre ein Spaziergang vom Bayrischen Bahnhof (der schon allein durch wildes Umherrücken Unmengen an Geld verschlang) durch die Innenstadt zum Bahnhof sicher nicht der Tod vieler Menschen gewesen.  Wie lächerlich und idiotisch dieser Bau auch immer sein mag, rückgängig zu machen ist es nicht mehr und so werden wir als Leipziger wohl in die Pflicht genommen werden müssen, mindestens zweimal täglich die Leipziger Hochgeschwindigkeitsuntergrundbahn zu nutzen.

 

Abgerissen hatte man weniger zuvor das Leipziger "blaue Wunder", welches tatsächlich seinen Zweck erfüllte und zum innerstädtischen Bild gehörte wie der Bahnhof, Uni – Riese, Völkerschlachtdenkmal und das zerfallende Gemäuer manch historischer Bauten um nur einige zu nennen.

Eine Fußgängerbrücke über den tobenden Verkehr einer wirtschaftlich noch intakten Stadt weggeplant um diese mit Ampeln zu ersetzen! Zweifelsfrei eine Errungenschaft die den Abriss aus finanziellen erhaltungstechnischen Wartungskosten völlig legitimiert!

Warten wir ab, sicher wird eines Tages an dieser Stelle wieder eine Brücke oder gar eine Unterführung entstehen!? Ein Tunnel?

 

Zweifelsfrei sind entstandene Erholungsgebiete rund um Leipzig eine absolute Errungenschaft für die Region, die Stadt selbst und dessen Bürger der in und um  sie wohnt. Zur Expo 2000 fertig gestellt glänzte der Cospudener See im Süden noch lange nicht so wie an heutigem Tage doch so manchen Romanzier steckt der Kommerz auch an diesen künstlich geschaffenen Idyll bereits tief im Hals. Hafenromantik und immer mehr zugebaute Flächen lassen die Groteske der innenländischen Kunstseeherrlichkeit bereits im kapitalen Nutzungswahn brachial erkennen und ersticken wiederum jeden anfänglich empfunden Stolz auf eine neu entstandene Sehenswürdigkeit. Das man vor Ort in der "Yachthafengastronomie" nur mittelmäßig aufpolierte Kaschemmenromantik  zu unabgebrachten Preisen erfährt unterstreicht den äußerst fragwürdigen Fahrplan der Politik einer immer mehr aussterbenden Kommune. 

 

Tatsächlich ist von der Boomtownmetropole Leipzig kaum noch etwas übrig obwohl überall heftigst an den wirtschaftlichen Aufschwung geglaubt wird. Eigenständig richtet sich der Zoo zum derzeitigen Bau einer enormen Tropenhalle und scheint dem irrsinnigen Sprint in die falsche Richtung waghalsig entgegenzustehen. Ob neues Bongoland oder Aquarium, der ZOO Leipzig war und ist wieder ein wirtschaftlicher Faktor in dieser Stadt und auch einen Besuch wert...

Leipzig, die Stadt der Kunst und des Handels! Hier wurde bereits mehrfach Geschichte geschrieben doch irgendwie spürt man diese Kraft nicht mehr die noch vor gar nicht langer Zeit einen immensen Umsturz hervorrief.

Wir sind das Volk schallte es über den Innenstadtring und tausende Menschen liefen voller Erwartungen, Ängste sowie wachsenden Mut der in der Masse sich immer wieder neu gebar gegen den brüchigen Staudamm jahrzehntelanger Entbehrungen an, in der Hoffnung auf ein offenes, buntes im Wohlstand ertrinkendes Deutschland. Tausende Menschen verbanden sich und ließen ihre Demut gegenüber einer sozialistischen Staatsmacht in den Parolen zurück und glaubten mit jeder Vibration ihrer Stimmbänder mehr an bessere Zeiten.

 

Die Wende brach über Leipzig herein wie über jede ostdeutsche Stadt und was am Anfang noch durch die blinde Euphorie übersehen wurde zeigte sich im Schicksal einzelner Menschen nur wenige Jahre danach bereits als Trugschluss. Was der Eine versprach wurde dem Anderen zum Verhängnis und so brachen jahrelang gewachsene durchaus überlebensfähige Strukturen am Drang nach schnellem Wohlstand. " Niemanden wird es schlechter gehen" vernahmen einige tausend Menschen live vom ehrwürdigen Kanzler damaliger Zeit und man erinnert sich sehr gut dass es nicht lange dauerte bis die ersten Eier und Tomaten genau diesen Menschen trafen.  

Die Modernisierung Leipzigs erschuf sich über den erst zögerlichen und dann schier zu explodierenden Restaurierungsboom alter Substanzen in jedem erdenklichen Bereich! Untergrund spielte sich schallenden Lachens die hunderttausenden von Gewinn DMarks am Fiskus vorbei in die eigenen Taschen und manch Stadtvater kassierte gehörig mit. Ein Schlaraffenland für Betrüger großen Stils und dennoch schoben sie diese Stadt in den Brennpunkt des finanztechnischen und wirtschaftlichen Kreises. Mit der Ausdünnung korupter Beamter starb komischer Weise auch mehr und mehr der Drive dieser Stadt. Größen des Milieus stellten sich die nicht unberechtigt wirtschaftlichen Standortfragen zur Umorientierung da Leipzig nicht erkannte welch potentielle Bringer hier weilten. Es nahm seinen Lauf und nun im Jahre 2010 sind wir Zeuge einer ohnmächtigen Eigentaschenpolitik die sich auf den Lorbeeren längst vergangener Zeiten meint ausruhen zu können. Am Leipziger Stadtsinn vorbei  produziert Politik eine immer mehr dem ursprünglichen Spiegelbild entgleisende Stadt, die bald nichts mehr von ihrer einstigen Einzigartigkeit und Charme in die Zukunft zu retten weis. Wieder einmal öffnet sich das Tor zum schnellen Wandel und verschluckt im Mantel der Globalisierung einen der letzten Ursprünge und zeitgeschichtlichen Zeugen mit fragwürdigem Zugewinn Moderne. Einhalt und die Orientierung an der städtischen Geschichte Leipzigs müsste selbst in dieser schnelllebigen Zeit, die einen enormen Zuwachs an Intelligenz zu verzeichnen hat – den Schritt zurück und somit zur Bestandswahrung wagen um nicht im Sog der globalen Uniformierung ebenso hinten hinab zufallen wie weit  uninteressantere Kleinstadtidyllen.

 

Fortsetzung folgt!

Oliver Sachse

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